Gestern hielt US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton eine Rede über LGBT-Rechte vor den Vereinten Nationen in Genf. Die Rede wurde live im Internet übertragen; ich hab das mitgehört und war beeindruckt von der Klarheit ihrer Sprache und der Deutlichkeit ihrer Argumente. Eine bemerkenswerte Rede.
Ich habe die trans*-relevantesten Stellen auf Deutsch übersetzt und lade zu einer Diskussion hier im Thread ein. Sofern ich von offizieller Seite gebeten werde, die gesamte Rede zu übersetzen, reiche ich diese in ihrer Gesamtheit nach; bis dahin mögen die Auszüge reichen
----
(...)
Heute möchte ich über die noch vor uns liegende Arbeit sprechen, um eine Gruppe von Menschen zu schützen, deren Menschenrechte auch heute noch in zu vielen Teilen der Welt verwehrt werden. In vielerlei Hinsicht sind sie eine unsichtbare Minderheit. Sie werden inhaftiert, verprügelt, terrorisiert, sogar ermordet. Viele werden von ihren Mitbürgern mit Verachtung behandelt, und es wird Gewalt gegen sie ausgeübt, während die Behörden, die sie eigentlich schützen sollten, wegsehen oder sogar bei den Misshandlungen mitmachen. Ihnen werden Gelegenheiten zu arbeiten und sich zu bilden verwehrt, sie werden aus ihren Wohnungen und Ländern vertrieben, und sie sind gezwungen abzuleugnen, wer sie wirklich sind, um sich vor Schaden zu schützen.
Ich spreche von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Trans*-Menschen. (...)
(...)
Es ist eine Verletzung der Menschenrechte, wenn Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder weil sie sich nicht den kulturellen Normen fügen, wie ein Mann oder eine Frau zu sein oder sich zu verhalten hat, geschlagen oder getötet werden. Es ist eine Verletzung der Menschenrechte, wenn Regierungen es für illegal erklären, homosexuell zu sein, oder Menschen ungestraft davonkommen lassen, wenn sie Homosexuelle verletzen. Es ist eine Verletzung der Menschenrechte, wenn Lesben oder Transmänner Opfer so genannter "korrigierender Vergewaltigung" werden oder eine Hormonbehandlung aufgezwungen bekommen, oder wenn Menschen nach öffentlichen Aufrufen zu Gewalt gegen Homosexuelle getötet werden, oder wenn sie aus ihrem Heimatland vertrieben werden und in anderen Ländern um Asyl bitten müssen, um ihr Leben zu retten. (...)
(...)
Einige glauben, der Schutz der Menschenrechte der LGBT-Gemeinschaft sei ein Luxus, den sich nur wohlhabende Nationen leisten könnten. Doch in Wirklichkeit entstehen in allen Ländern Kosten, die diese Rechte nicht schützen, nämlich wenn homosexuelle und heterosexuelle Leben an Krankheiten und Gewalt verloren werden. (...) Kosten entstehen, sobald eine Gruppe als minderwertiger behandelt wird als eine andere, gleich ob es sich um Frauen, Rassen, religiöse Minderheiten oder LGBT handelt. (...)
Die dritte und möglicherweise schwierigste Angelegenheit ist, wenn Menschen religiöse oder kulturelle Werte als Grund anführen, warum die Menschenrechte von LGBT-Mitbürgern verletzt oder nicht geschützt werden. Dies unterscheidet sich nicht sehr von der Rechtfertigung für gewaltsame Praktiken gegen Frauen wie Ehrenmorde, Witwenverbrennung oder die Verstümmelung der weiblichen Genitalien. Einige verteidigen solche Praktiken noch immer als Teil einer kulturellen Tradition. Aber Gewalt gegen Frauen ist nicht kulturell; sie ist kriminell. Ganz ähnlich verhielt es sich mit der Sklaverei - einst galt sie als von Gott sanktioniert, heute wird sie zu Recht als skrupellose Menschenrechtsverletzung geschmäht.
In allen diesen Fällen haben wir gelernt, dass keine Praxis oder Tradition die Menschenrechte aufhebt, die für uns alle gelten. Und dies gilt auch für Gewalt gegen LGBT-Menschen, die Kriminalisierung ihres Status oder ihres Verhaltens, den Ausschluss aus ihren Familien und Gemeinschaften und auch die stillschweigende oder ausdrückliche Hinnahme ihrer Ermordung.
(...)
Fortschritt entsteht dadurch, dass wir gewillt sind, uns eine Weile in jemandes Situation zu versetzen. Wir müssen uns fragen: "Wie würde ich mich fühlen, wenn es ein Verbrechen wäre, meinen Partner zu lieben? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich wegen etwas, das ich an mir nicht ändern kann, diskriminiert werde?" (...)
Zitat von Sandra-Isabell ...Fortschritt entsteht dadurch, dass wir gewillt sind, uns eine Weile in jemandes Situation zu versetzen. Wir müssen uns fragen: "Wie würde ich mich fühlen, wenn es ein Verbrechen wäre, meinen Partner zu lieben? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich wegen etwas, das ich an mir nicht ändern kann, diskriminiert werde?" (...)
Hallo Sandra,
die Rede "hört" sich interessant an, jedoch wird sich wohl kaum was ändern, solange nicht alle Menschen (zumindest versuchen) sich in der Lage des Opfers zu versetzen. /// Das Schlimmste ist, dass Täter all zu oft unfähig sind, sich überhaupt in der Opferrolle reindenken zu können- bzw. wollen. Sie sind Täter! ...sie denken nicht im Traum daran, ihre Opfer "aufzugeben", ...sie würden sich damit selbst aufgeben.
(Sollten die Täter sich doch mal vor Gericht verantworten müssen, dann spielen sie uns Reue vor, ...in Wirklichkeit wollen sie nur ihren Arsch retten).
("Fortschritt" sollte in frühen Kindesjahren beginnen, aber dazu müßten die Kinder die entsprechenden Eltern-, das entsprechende Umfeld, -und einen Staat haben, der entsprechende Aufklärung betreibt)
Ilona
Ihr lacht über mich, weil ich anders bin? ...dann lache ich über euch, weil ihr alle gleich seid!
danke für den Link zu dieser ausgezeichneten, mutmachenden Rede der US-Außenministerin Hillary Clinton. Ich war tief bewegt! Unter Obama versucht die USA offenbar zu ihren Grundwerten zurückzukehren, das macht viel Hoffnung und strahlt eventuell aus. Es wird erkannt, dass Menschenrechte für alle Menschen, also auch für uns, gelten! Unsere Personengruppe wird aber auch sonst, dank zahlreicher starker Frauen ( so wie hier z.B. Du oder Kim oder etc, bitte böse sein, wenn ich die Aufzählung abbreche...) immer stärker wahr genommen.
Herzlichen Dank
ab
P.S. Bei der Kampagne der Antidiskriminierungsstelle hab ich zu meiner Freude bemerkt, dass Trans bei Geschlecht (zusammen mit Frau, Mann, intersexuell) aufgeführt ist und zum Glück nicht bei sexueller Identität (heterosexuell, lesbisch, etc). Offenkundig gibt es dort Verantwortliche, die was verstanden haben...
FÜR: Menschenrechte, eine gelebte demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
@Ilona: Ja, es ist eine Erziehungssache, das finde ich auch. Da würde sich vieles verbessern.
@ab: Oooooh ja... Obama tut viel für LGBT. Und was die Antidiskriminierungsstelle betrifft, so hatten die dort tatsächlich exzellente Beratung. Da hat einer der mir am meisten ans Herz gewachsenen Trans*-Aktivisten seine kundigen Finger im Spiel.