Erstes offen transidentes Parlamentsmitglied gewählt Transgender Europe gratuliert Polen zu politischem Erfolg
Am 10. Oktober haben wir erfahren, dass Anna Grodzka, Präsidentin der TGEU-Mitgliedsorganisation Trans-Fuzja, als erste offen transidente Frau ins polnische Parlament gewählt wurde.
Grodzka, die sich seit über 4 Jahren für Transgender- und Intersex-Themen einsetzt, war Kandidatin der Palikot-Bewegung, einer neuen politischen Partei, die sich während der Wahlen mit fortschrittlichen Ideen besonders zu LGBTQI-Themen hervortat.
"Dies ist für Polen ein unglaublicher Schritt nach vorne", sagt Wiktor Dynarski, Koordinator der Zentral- und Osteuropa-Arbeitsgruppe der TGEU. "Wir waren uns bewusst, dass Annas Entscheidung, sich als Kandidatin aufstellen zu lassen, die Diskussion über Transgender-Themen in der polnischen Politik ziemlich verstärken würde, aber einen solch unglaublichen Erfolg hätten wir uns niemals träumen lassen!"
TGEU bezeigt Polen die gebührende Ehre und hofft, dass eine öffentliche Transgender-Person die Sichtbarkeit von Transgendern und Intersexuellen in Polen vergrößern und ihre Belange weiter in den Vordergrund stellen wird. Im Augenblick fühlen sich viele Transgender und Intersexuelle in Polen unsicher und ungehört. Eine wichtige Verbesserung wäre ein Gesetz, welches die Anerkennung des Geschlechts- und Namenswechsels reguliert. Im Augenblick wird das lediglich durch Fallrecht geregelt. Es existiert bislang kein Gesetz und keine offizielle Verfügung, was Transgender in einem Status rechtlicher Unbestimmtheit belässt.
Der Kommissar für Menschenrechte, Thomas Hammarberg, zählte Polen [1] zu den Ländern, welche keine "schnellen, transparenten und leicht zugänglichen" Mechanismen wie vom Ministerkomitee empfohlen [2] bereitstellen. Hammarberg verlangt von den Mitgliedsstaaten, ihren Verpflichtungen bezüglich der gesetzlichen Anerkennung des Geschlechtes nachzukommen, wie dies wiederholt vom Europäischen Gerichtshof sowie auch vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte festgestellt wurde.
"Polen hat die Rechte seiner Transgender-Bürger lange ignoriert. Es ist höchste Zeit, endlich über die Einführung eines Gesetzes zur Anerkennung des Geschlechts zu diskutieren. Wir sind zuversichtlich, dass Grodzkas Erfolg weitere Länder in Zentral- und Osteuropa motivieren wird, die Existenz von Transgendern und Intersexuellen und ihrer Rechte zu beachten", hofft der Co-Vorsitzende der TGEU, Richard Köhler.
Vor dem Hintergrund, dass Polen immer noch als erzkatholisches Land gilt, ist die Wahl Anna Grodzkas ins Parlament geradezu eine kleine Sensation. Hoffentlich kann sie in ihrer neuen Position dazu beitragen, dass Transmenschen in Polen mehr Akzeptanz und Toleranz erfahren.
Ich freu mich auch riesig... Krakau ist auch noch Partnerstadt von Nürnberg... Vielleicht kommt also die Abgeordnete sogar mal bei uns vorbei!!
ab
FÜR: Menschenrechte, eine gelebte demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz