Wahrscheinlich sollen damit Fakten geschaffen werden für den DSM und ICD. Kurzes Fazit der neuen SoC: Weiterhin werden transsexuelle Menschen psychopathologisert, allerdings wird diese Psychopathologisierung netter verpackt, als bisher (was dann die Menschenrechtsarbeit etwas schwieriger, aber noch wichtiger machen wird). Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. wird sich gegen dieses Werk zu Wehr setzen, da u.a. anderen wieder einmal Menschen wie Kenneth Zucker an dem Hütchenspielertrick namens "SoC 7" mitgerabeitet haben.
Es wird höchste Zeit sich gegen die WPATH zur Wehr zu setzen und positive Alternativen im Umgang mit geschlechtlichen Abweichungen zu entwickeln. Dafür sind internationalle Allianzen notwendig. Es kann nicht sein, dass Menschen immer noch die Existenz transsexueller Menschen leugnen können, indem sie weiterhin an der Psychopathologiserung transsexueller Menschen festhalten und nur den Namen für diese in ihrer menschenverachtenden Weltanschauung ändern.
Die Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. distanziert sich von den Machenschaften der WPATH. Wir freuen uns im übrigen auf jede internationale Unterstützung. Also: Melde sich wer kann.
In einem anderen Forum wurde die Frage erörtert, inwieweit Zucker sich eventuell geändert hätte, da auch er bei den aktuellen SoC-7 mitwirkte und beim Symposium gleich fünf Vorträge hielt. Wie sich herausstellt, scheint sich Zucker trotz der angenehmen Neuerungen in den SoC-7 nur wenig geändert zu haben. Kim Pearson, Chefin der TransYouth Family Allies, berichtet hier in einem kurzen Dokument (nur zwei Seiten, nicht allzu viel zu lesen) darüber, dass er kritischen Fragen ausweicht, statt sie zu beantworten. Schade... hatte gehofft, dass... naja. Ist schon okay. Die Hoffnung stirbt zuletzt
Die nächste Zusammenkunft von WPATH findet 2014 in Bangkok, Thailand, statt.
Hier einige Bilder des Treffens und der Diskussionsrunden zwischen den Vorträgen, damit ihr mal einige der Ärzte, Therapeuten, Aktivisten und sonstigen engagierten Menschen sehen könnt, die bei den SoC-7 mitgewirkt haben und möglicherweise unsere individuelle Zukunft mitgestaltet haben:
(Freigabe der Bilder durch Kim Pearson [gleichfalls die Urheberin der Bilder], Chefin der TransYouth Family Allies -- bitte beachtet, dass die Freigabe nur für mich gilt und eine weitere Verbreitung nicht gewünscht wurde, da Kim die Bilder selbst veröffentlichen möchte)
Nö. Aber vielleicht kopiere ich mal ein paar Sachen, die ich schon in 'nem anderen Forum gepostet hatte mal gesammelt hier hin:
Zitat "Noch mal ein paar Infos:
a) SoC7 neu: "Sich nicht geschlechtsrollenkonform zu verhalten ist keine Störung"*. b) Wer medizinische Hilfe benötigt, soll trotzdem die Diagnose einer psychischen Störung erhalten c) Über die medizinische Anträge entscheiden weiterhin Psychologen mit ihrer Stellungnahme, siehe: Genitaloperationen d) die WPATH sieht transsexuelle Menschen weiterhin nicht als in der Natur existent an. Transsexuelle Frauen sind z.B. nach Ansicht der WPATH nach wie vor biologische Männer. e) das Problem einer transphoben Gesellschaft, die natürliche Geschlechtsabweichungen hervorbringt, wird auf Betroffene verlagert, indem man von "gender nonconformity" spricht, anstatt von "sexual variation". usw. ("sexual variation" = "geschlechtliche Variation") f) da geschlechtliche Abweichungen von der WPATH weiterhin als widernatürlich gelten (nur abweichendes Verhalten gilt ja nicht mehr als Störung, nicht die Abweichungen an sich), trägt die WPATH mit zu psychischen Problemen bei, die durch falsche Geschlechtszuordnungen entstehen und will sie dann hinter (natürlich gut bezahlt) kurieren helfen
Die SoC7 sind eine gute Marketingkampagne von Sexologen, die wollen dass Transsexualität im Bereich der psychischen Störungen bleibt, anstatt von der WHO im ICD an eine andere Stelle gepackt zu werden. Es gibt da sogar einen Satz, der lautet:
"Some people experience gender dysphoria at such a level that the distress meets criteria for a formal diagnosis that might be classified as a mental disorder."
"Manche Menschen erleben eine Geschlechtsrollendisphorie in so einer hohen Stärke, dass das Leid die Kriterien für eine formale Diagnose erfüllen kann, die als psychische Störung aufgeführt wird".
Im SoC7 wird so getan, als sei diese Diagnose für Kostenübernahmen. Dies ist eine Lüge und ein ganz billiger Trick, um den Menschenrechtsgruppen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die für eine Umsortierung in einen neutralen Bereich des ICD kämpfen (Die Reform des ICD läuft zur Zeit). Die Sache ist nämlich die: würde die WHO das Ding woandershin schieben, könnten die Psychos mit ihrer "gender dysphoria" kein Geld mehr verdienen. Und mit dem Thema Transsexualität verdienen diese Leute heute noch eine ganze Menge. Das sieht man schon alleine, was der Eintritt des WPATH-Symposiums kostet. Wer eine Karte für ein WPATH-Meeting haben möchte, zahlt an der Tür 600 Dollar.
--- *Man muss sich einfach mal vor Augen halten, was das bedeutet. Die Leute von der WPATH haben bis dahin tatsächlich geglaubt, dass Männer und Frauen, die nicht eine stereotyes Rollenverhalten an den Tag legten, psychisch krank seien. Überpspitzt ausgedrückt: Wenn Männer Röcke tragen, galt das bislang als "psychische Störung".... nun soll so ein Rollenverhalten keine Störung mehr sein."
"..., ich bin sehr wohl davon ausgegangen, dass es auch engagierte Menschen gibt, die in Opposition zu Zucker stehen, die auch bei der WPATH engagiert sind. Dennoch ist das Papier immer noch eines, in denen Zucker und Freunde ihre Sichtweisen einbauen konnten, zwar etwas schöner formuliert als sonst... aber sie sind drin. Dass Sätze, wie der, den Du zitiert hast drin stehen, sind zwar schöne Sätze, dennoch erinnert das trotzdem auch an das, was um das Ende des DSM II, Anfang des DSM III passierte.
Ende der 60er, Anfang der 70er gab es starke Protestbewegungen gegen die Psychopathologisierung von Homosexualität und auf Grund dieser Proteste war klar, dass die Sexlogogen, die sich vorallem auf die psychoanalytische Lehre berufen haben, in ihren öffentlichen Ansichten ändern musste. Schon in den 60er-Jahren gab es eine starke Protestbewegung gegen die Diskriminierungen, dennoch erschien 1968 der DSM II, der Homosexualität erneut als psychische Störung listete. Nur ein paar Jahre später wurde der DSM II dann geändert, da Aktivisten die Versammlungen der Psychologen gestört hatten und die Öffentlichkeit langsam von dem Kenntnis nahm, was vorher niemanden interessiert hatte: Die Psychopathologisierung von Menschen.
1973 dann verschwand Homosexualität aus dem DSM, aber nicht völlig. Es hielt sich der Begriff "sexual orientation disturbance". Man nannte also "Homosexualität" dann einfach "sexuelle Orientierungsstörung". Definiert war das dann so:
"302.0 Sexual orientation disturbance (Homosexuality)
This category is for individuals whose sexual interests are directed primarily toward people of the same sex and who are either disturbed by, in conflict with, or wish to change their sexual orientation. This diagnostic category is distinguished from homosexuality, which by itself does not constitute a psychiatric disorder. Homosexuality per se is one form of sexual behavior and, like other forms of sexual behavior which are not by themselves psychiatric disorders, is not listed in this nomenclature of mental disorders. "* (APA Document Reference No. 730008)
Im DSM III (die Proteste gingen ja auch danach noch weiter) der kurze Zeit später eingeführt wurde, gibt es diese Formulierung nicht mehr (1974). Seit dem DSM III gibt es dafür den Begriff "Gender Identity Disorders". Homosexualität verschwand, Menschen deren geschlechtliches Verhalten für normative Geister zu "ungewöhnlich" erschien, kam rein.
Was hat sich in dieser Zeit geändert? a) Homosexualität würde öffentlich, es wurde Aufklärung betrieben, in den 80ern begann auch in Deutschland die grosse Outingwelle von Prominenten und langsam lerne die Gesellschaft, dass Homosexualität etwas natürliches ist (abgesehen von den ewig-gestrigen, die es immer gibt). b) Transsexualität und Transvestitismus wurde psychopathologisiert. Gesetze wie das TSG in Deutschland erlassen und die Leute, die ihre (Deutungs-)Macht vorher über homosexuelle Menschen hatten, schufen sich nun neue Opfer.
Was ich damit sagen will: Sicher sind Emanzipationsprozesse immer welche, die oft länger dauern. Dennoch sollten wir nie aus den Augen verlieren, das ein wenig weniger Fremdbestimmung immer noch Fremdbestimmung ist. Ich persönlich glaube, dass die Fremdbestimmung eben solange eine Fremdbestimmung bleiben wird, solange (selbst auch wohlwollende) TherapeutInnen und "Professionals" immer noch den Daumen auf der Angelegenheit haben. Ob sie nun "nett" oder "wohlwollend" sind, oder ob es um offensichtliche Hardliner wie Kenneth Zucker handelt, spielt dabei keine Rolle.
Erst wenn geschlechtsabweichende Menschen (und ich reduziere hier nicht auf Begriffe wie "gender variant" oder ähnliches, da ich geschlechtliche Abweichungen nicht für ein Produkt von gesellschaftlichen Einflüssen halte, sondern anerkenne, dass sie an sich bereits existieren) selbstbestimmt über ihr Geschlecht verfügen können, hört auch die weltweite Diskriminierung auf. --- *Klingt fast wie die WPATH-SoC7-Formulierungen. Interessant wie auch bei Homosexualität damals noch das Gerücht existierte, es ginge um das "Wechseln der sexuellen Orientierung". Das erinnert ziemlich an diese dumme Vorstellung von "Geschlechtsumwandlungen/Geschlechtswechsel" (Ft-sonstwas oder Mt-sonstwas).... aber ja... mal sehen, es sind ja noch ein paar Monate Zeit bis zum neuen DSM/ICD und wenn dann kräftig weiterprotestiert wird, könnte das ja evtl. doch noch was werden...
Übrigens, danke für die Einladung. Ich finde Meetings, die so 'ne Menge Geld kosten irgendwie zu teuer. Das lässt sich, so finde ich, auch anderswo investieren. Ich vertrete da die Ansicht, dass jede/r "Betroffene" die Möglichkeit haben muss, kostenlos (oder wenn nicht, dann wenigstens höchstens für einen kleinen Unkostenbeitrag) an einem Treffen teilzunehmen..."
"Die Frage ist: Ist deine "Identität" etwas natürliches, oder nicht? und: warum soll Geschlecht auf wenige Körpermerkmale reduzieren? Nachdem bewiesen ist, dass die biologische Geschlechtsentwicklung eines Menschen nicht stereotyp verläuft und noch nicht einmal Chromosomen, Hormone, Genitalien, ... etc. immer in die selbe Richtung ausschlagen und eigentlich klar (und messbar) ist, dass hier eine viel grössere Variationsvielfalt menschlichen Lebens existiert, kann ich doch nicht behaupten, dass die Biologie nach dem Abbild Adam und Evas funktioniert.
Was gesagt werden kann ist: Das biologische Geschlecht eines Menschen ist eben nicht reduzierbar auf stereotype Vorstellungen über Biologie. Genauso kann gesagt werden, dass auf Grund des Wissens der letzten Jahre eine zuverlässige Geschlechtsangabe nur ein Mensch über sich selbst machen kann. Und ich würde mal behaupten, dass dieses Selbstwissen nicht Von-Aussen kommt, sondern in jedem Menschen selbst verwurzelt ist... und ergo nichts mit "gender" (dem sozialen Geschlecht) zu tun hat. (was z.B. ja schon der Fall Reimer gezeigt hat http://de.wikipedia.org/wiki/David_Reimer) (oder umgekehrt... die Verwendung von "gender" im Kontext von geschlechtlichen Abweichungen würde dann zumindest einen Bezug auf ein "biologisches Geschlecht" ...das es, siehe oben, so ja gar nicht gibt... verbieten.)" ... Ich bin ja schon länger der Ansicht, dass wir es auch in Vergangenheit immer auch selbst gewesen sind, die die Regeln unterstützt bzw. gestützt haben, die uns eine geschlechtliche Selbstbestimmung bislang nicht ermöglicht haben. Es gibt eine ganze Menge trans-Leute, denen es nicht reicht zu sagen "Ich BIN xyz", sondern die trotzdem noch glauben, das mit einem "aber" (siehe oben) zu schmücken, welches die geschlechtliche Selbstaussage wieder ad-absurdum führt bzw. einschränkt. Es gibt eine ganze Menge trans-Leute, die z.B. auch in Deutschland ein Problem damit haben, wenn die Gutachten im TSG abgeschafft werden. Es gibt eine ganze Menge trans-Leute, die ihre Geschlechtszugehörigkeit selbst für eine psychische Störung halten. Es gibt eine ganze Menge trans-Leute, die meinen, Kriterienkataloge aufstellen zu müssen, um zu überprüfen, wer trans ist oder nicht. Es gibt eine Menge trans-Leute, die es völlig in Ordnung finden tausende Euro für die Änderung von Papieren zu zahlen (obwohl mensch sich fragen muss: warum?) Es gibt eine Menge trans-Leute, die Gesetzgebern und Medizinern vorschlagen, bloss keine geschlechtliche Selbstbestimmung zuzulassen, sondern hier z.B. Bedingungen, Fristen, etc. einzubauen. usw, und so fort...
Es sind nicht die anderen, die sich ändern müssen, wenn sich etwas verändern soll, sondern wir selbst.
In den USA geht es beim Thema trans immer noch um das Verhalten, sprich es gibt dort so etwas wie ein "behaviouristisches Geschlechtermodell" (in Kombination mit der Sexologie basierend auf Signumd Freud). Genau DAS aber führt zu dem Paradoxon, dass Menschen nicht in ihrem SEIN akzeptiert werden, sondern nur in ihrem Verhalten... was dann z.B. so etwas bedeutet, wie "ein Mann, der in der Frauenrolle leben will". Eine transsexuelle Frau ist aber kein Mann, der in der Frauenrolle leben will (dass das keine psychische Störung ist, sollte eigentlich sowieso klar sein... und darum gehts ja auch gar nicht), sondern schlichtweg nur: eine Frau. Und das wird von der WPATH eben nicht anerkannt. Die trans-Leute, die da mitgemacht haben, erkennen das bei sich selbst ja auch nicht an... man könnte sagen: Sie glauben ihrem eigenen Geschlechtswissen nicht. Oder noch einfacher: Da mangelt es aber noch an Selbstbewusstsein. Wer sich so vor den Karren eines psychopathologisierenden Weltbilds (das hat die WPATH immer noch!) spannen lässt, hat in Sachen geschlechtliches Selbstbewusstsein noch eine Menge Luft nach oben.
Ich finde, das macht es noch umso wichtiger, in Opposition zur WPATH zu treten. Um klar zu machen: Das, was ihr da "erarbeitet" habt, ist alles andere als common sense.
Der Artikel ist zwar mit Vorsicht zu geniessen, erklärt aber das Dilemma Geschlecht auf "Verhalten" zu reduzieren. Ich finde auch, dass diese Reduktion an dem vorbei geht, was viele transsexuelle Menschen in erster Linie wünschen: Sich im Spiegel betrachten zu können und sagen zu können "das ist jetzt gut so". In diesem Fall gibt es nämllich überhaupt keine soziale Interaktion, sondern nur eine Selbstwahrnehmung. Mit "gender" lässt sich also die Existenz transsexueller Menschen nicht erfassen, da "gender" immer die Zuordnung von Aussen, die Interaktion mit anderen, das soziale Umfeld benötigt. Genau hier gibt es meiner Ansicht nach das Missverständnis zwischen Sexologie und den Betroffenen, das sich in der Frage abzeichnet: Was ist primär, was sekundär? Ich würde sagen, dass transsexuelle Menschen in erster Linie (primär) einen Körper wünschen, der ihrem geschlechtlichen Selbstwissen entspricht und wollen dann (sekundär) natürlich auch von ihrer Umwelt als der Mensch angenommen werden, von dem sie wissen, das sie dieser sind.
Wenn jemand nun primär/sekundär vertauscht, indem er meint, transsexuellen Menschen ginge es in erster Linie um eine Performance in einem sozialen Kontext, und zugleich dann eine stereotype Deutung der Biologie an den Tag legt, kommt etwas dabei heraus wie "gender variance", die dann als psychische Störung klassifiziert wird. Und lediglich auf dieser Ebene hat die WPATH sich ein Stückchen weit bewegt... letztlich steckt dahinter aber immer noch nicht die Anerkennung des geschlechtlichen Selbstwissens eines transsexuellen Menschen als Teil der Wahrheit, sondern lediglich sein "absurdes", von der Norm abweichendes Verhalten wird als existent anerkannt. Die WPATH führt ja dazu im Vorwort an, dass dieses abweichende ("gender nonconforming") Verhalten auch in vielen Kulturen der Welt existiert.
Was nun das seltsame ist, dass genau diese Argumentation ja bereits in den 70er Jahren existierte, als man "gender identity disorders" überhaupt erst in den DSM eingeführt hat. Die Sexologie (und damit auch die WPATH, vormals HBIGDA) dreht sich also im Kreis. Und ich finde, dass es Zeit wird, aus diesem Hamsterrad auszusteigen, anstatt immer wieder denselben Fehler zu begehen und endlich anzuerkennen, dass das biologische Geschlecht eines Menschen eben nicht das Abbild von Adam und Eva ist, sondern "sexual deviations" / geschlechtliche Abweichungen ziemlich häufig sind und eine dieser Abweichungen eben Transsexualität ist.