Vom Williams-Institut der Universität von Californien - UCLA über die perrzeption von transgendern in der bevölkerung vieler staaten und zu deren rechten
mhm, im vergleich mit anderen staaten steht deutschland nicht zu schlecht da. für russland sieht's echt übel aus.
meine studie zu den dgti-ergänzungsausweisen ist auch bald fertig, ich werde euch dann auch einen link posten. da kommt raus, dass das durchschnittsalter beim beantragen eines dgti-ausweises bei transfrauen um 13 jahre höher liegt als bei transmännern, nämlich bei 37/38 jahren. es ist in den letzten 15 jahren auch nur um rund 4 jahre gesunken. im vergleich dazu sank es bei transmännern um 8 jahre und beträgt jetzt ca. 24 jahre.
die studie, die du gepostet hast, regina, prüft ja das gesellschaftliche umfeld von transgendern. ich frage mich, was passieren muss, damit transfrauen ihre transition früher beginnen.
"Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, dass es nach Vernunftgesetzen handeln soll." - Oscar Wilde “Ohne eine Abweichung von der Norm ist kein Fortschritt möglich.â€- Frank Zappa "Samstag ist Waschtag." - Sheldon L. Cooper "I had a flashback of something that never existed" - Sara Digitala "Fuck Size Zero" - Carolin Kebekus
da kann ich nur vermuten, dass der leidensdruck bei TFs weniger manifest ist, weil cis- bzw. biofrauen in der gesellschaft ja ein viel größeres spektrum des lebens ihres ichs haben, als cis-bzw. biomänner, und somit vielleicht auch TMs, die vielleicht früher ihre wahre identität glauben leben zu müssen. Und somit eher eine lösung suchen. Und, was die fachliteratur ja zeigt, dass heterosexuell orientierte TFs viel eher ihre identität zu leben versuchen, als homosexuell orientierte TFs, wie ich z.B.: viele der late-outcome homosexuell orientierten TFs heiraten cis-frauen, haben kinder (wie auch du), bis sie zu ihrem selbst finden können... Bei der majorität von TMs, auch zu ca. 85% auf cis-frauen orientiert, bricht sich das vielleicht früher bahn, weil sie ja männer sind... und das auch glauben, leben zu müssen.
Dazu kenne ich aber keine guten, diesbezüglichen studien.
Interessant ist deine entdeckung durchaus, und auch in der literatur dokumentiert; also, dass TMs früher bei den gender-units auftauchen und ihre transition starten. Aber die wirklichen gründe dafür kann ich, wie gesagt, nur vermuten.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Transmysogynie. In underer gesellschaft gelten Männer als wertvoller als Frauen. Ein Transmann, also in der allgemeinen Betrachtung eine "Frau, die ein Mann sein will" ist dementsprechend auf dem Weg der "Verbesserung", währen eine Transfrau sich ja "freiwillig" auf die weniger wertvolle Rolle begibt. Transmänner efahren daher weniger Diskriminierung, zumindest während der Transition.
Und das ganze spiel ja nicht nur von aussen eine Rolle. Es wird auch genug Transfrauen geben, die unbewusst die eigene Transition aufschieben, um die gewohnten männlichen Priviligien nicht abgeben zu müssen (deutlich: unbewusst).
Was Ergänzungsausweise angeht, ich frage mich dabei ob es da nicht eine Selektion gibt, wer diese Ausweise überhaupt haben will. Ich persönlich habe nie einen gehabt (weder den deutschen, noch die belgische Version davon), und ich kann mir gut vorstellen, dass vorallem jüngere den gar nicht haben wollen.
klar spielt ne rolle, wer den ergänzungsausweis aus welchen motiven heraus beantragt. wobei man auch ganz klar sagen kann, dass es eine signifikante anzahl von transfrauen zwischen 20 und 35 gibt, die den beantragen. es ist also nicht so, dass die den gar nicht wollen. und auch ich habe ihn nie beantragt, obwohl ich ihn mit um die 40 vielleicht gut gebrauchen hätte können, wenn man unterstellt, dass man mit ambivalenter geschlechterperformance eine solche unterstützung gerne in anspruch nimmt. aber über die motive lässt sich wenig sagen, ich werte nur quantitative daten aus und habe keine qualitativen aussagen, mit denen ich arbeiten kann. insofern bin ich vorsichtig mit der interpretation, warum jemand einen ausweis beantragt oder nicht. da ist man schnell bei thesen, die man sich aufgrund seiner eigenen biographie oder seinen trans*bekanntschaften heranbildet.
ich habe die frage ja mal in den raum gestellt, weil ich wissen wollte, was euch dazu in den sinn kommt.
ich halte es für plausibel, dass das einsetzen der pubertät bei transmännern eine große rolle spielt. die zahlen decken sich damit. mit der monatsblutung ändert sich soviel an dem eigenen geschlechtsverständnis, dass viele da vielleicht ausbrechen ... und die transition im jungen erwachsenalter angehen.
und ich denke auch, dass bei transfrauen der leidensdruck über jahre hinweg anwächst. und man seine geschechtsidentität erst klärt, wenn es gar nicht mehr anders geht, sprich: wenn klar ist, dass lebensentwürfe nicht funktionieren oder gar scheitern. wenn das mit der partnerschaft nicht klappt, oder man mit seinen lebenszielen nicht weiterkommt. erst dann ist man vielleicht bereit, einen weg zu gehen, der einen grundlegend aus den gesellschaftlichen rollenmustern rausführt und wo es einer egal ist, ob sie dabei privilegien verliert. wenn man es sich in seiner komfortzone nicht mehr gemütlich machen kann. also bei mir war es so, aber ich wollte ja nicht meine eigene biographie zu einer steilen these hochpushen.
was auch interessant ist: es gibt 6 mal mehr transmädchen als transjungs (bis zum alter von 10), die den ergänzungsausweis beantragen. später kippt das verhältnis komplett. das sieht mir danach aus, dass sich im kindesalter die erwartungen, was ein richtiger junge/mann ist, noch nicht so repressiv auswirken. transjungs werden aber dagegen vielleicht nicht so ernst genommen, wenn sie als kind sagen, dass sie kein mädchen sind. zumindest passt diese these zu den rollenbildern, an die man so glauben kann.
"Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, dass es nach Vernunftgesetzen handeln soll." - Oscar Wilde “Ohne eine Abweichung von der Norm ist kein Fortschritt möglich.â€- Frank Zappa "Samstag ist Waschtag." - Sheldon L. Cooper "I had a flashback of something that never existed" - Sara Digitala "Fuck Size Zero" - Carolin Kebekus
im übrigen steigt die anzahl der beantragten ergänzungsausweise im gleichen maß wie die anzahl der verfahren nach dem tsg. letztere sind um den faktor 4-5 höher. das spricht eher dagegen, dass es signifikante individuelle vorlieben für oder gegen einen antrag auf einen ergänzungsausweis gibt.
"Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, dass es nach Vernunftgesetzen handeln soll." - Oscar Wilde “Ohne eine Abweichung von der Norm ist kein Fortschritt möglich.â€- Frank Zappa "Samstag ist Waschtag." - Sheldon L. Cooper "I had a flashback of something that never existed" - Sara Digitala "Fuck Size Zero" - Carolin Kebekus
Hi steffi: mit deinen betrachtungen könntest du durchaus recht haben. Aber hier im forum wirst du kaum brauchbare bzw. weiterbringende kommentare dritter finden, denke ich mal. Ich hatte den ausweis damals beantragt, weil ich berufsbedingt, aber auch privat oft mit dem flugzeug reise, aber halt nie eingesetzt, weil sich keine notwendigkeit ergab. Erstaunlich, dass schon kinder den ausweis beantragen...
Zur motivation sollte sich eine studie erstellen lassen, nicht nur für kinder. Vielleicht kann die ja auch vom familienministerium oder anderer institution finanziert werden. Dann gäbe es mehr klarheit...
Das ist ein Missverständnis, ich meine nicht dass den Ausweis niemand der jünger ist beantragt, ich wollte nur sagen, dass ich mir vorstellen kann dass es eine Verzerrung gibt, weil bestimmte Personengruppen den nicht brauchen. Wie gesagt, ich brauchte nie einen, kenne aber andere für den der sehr wichtig war. In wieweit das jetzt völlig zufällig verteilt ist, oder ob ich zu einem bestimmten Kreis gehöre weiss ich nicht. Natürlich kann man Daten nur so nehmen wie sie sind, aber eine Überlegung in wie weit die Daten für dier gesammte Transgemeinschaft repräsenativ ist, wollte man schon machen (und kann ja gut sein, dass sie es sind).
Die anderem Punkte kommt wieder auf Transmysogynie zurück. Ein Mädchen, dass sich männlich gibt ist gesellschaftlich akzeptiert. Eine Junge, der ein Kleid trägt, fällt sofort auf. Bei Transjungen gibt es einfach weniger Leidensdruck, und das ganze wird weniger pathologisiert. Das ändert sich dann mit Einsetzen der Pubertät. Ansonsten glaube ich - und das ist eine rein persönliche Einschätzung - dass die Pubertät für beide Seiten gleich traumatisch ist.
Es ist ja auch eine frage des "passing", ob ein ausweis nötig werden könnte: (junge) transmänner bekommen in der transition unter testosteron recht schnell, spätestens nach einem jahr, bartwuchs und stimmbruch. Und wenn sie früh genug namen VÄ und geschlecht PN rechtlich bereits geändert haben, nach 6 bis 12 monaten, passt das alles ganz gut. Während das passing im gesichtsbereich bei transfrauen halt schwierig bleiben kann, weil die weiblichen hormone keine veränderung der stimmlage bzw. ausbildung der testosteronbedingten gesichtspartien bewerkstelligen; niedriges testo bei relativ hohem östro erlaubt mal gerade eine gewisse fettansammlung auf den wangenknochen, wenn überhaupt.
Zitat von yvieNatürlich kann man Daten nur so nehmen wie sie sind, aber eine Überlegung in wie weit die Daten für dier gesammte Transgemeinschaft repräsenativ ist, wollte man schon machen (und kann ja gut sein, dass sie es sind).
das ist schon klar. ich werde am anfang meines artikels beschreiben, warum man einen ergänzungsausweis beantragt oder aus welchen motiven man das auch sein lassen kann. viel mehr kann ich leider nicht tun, aber ich bin gedanklich weit davon entfernt, den anträgen auf ergänzungsausweise repräsentativität zuzuschreiben. andererseits haben wir da eine datensammlung von 4.000 einzelnen datensätzen, die schon außergewöhnlich ist.
Zitat von Regina WittichEs ist ja auch eine frage des "passing", ob ein ausweis nötig werden könnte: (junge) transmänner bekommen in der transition unter testosteron recht schnell, spätestens nach einem jahr, bartwuchs und stimmbruch. Und wenn sie früh genug namen VÄ und geschlecht PN rechtlich bereits geändert haben, nach 6 bis 12 monaten, passt das alles ganz gut.
gerade deswegen, so ist mein eindruck, beantragen transmänner häufig ergänzungsausweise, weil die äußerliche erscheinung nicht mehr mit den ausweisdokumenten übereinstimmt, solange sie die pä/vä noch nicht haben. und da ein rechtfertigungsdruck empfunden werden kann, wenn man sich ausweisen muss. wenn die kluft nicht so groß ist und man einer person eher ansieht, dass sie sich auf einer reise zwischen den geschlechtern befindet, kann man vielleicht auch eher mal auf einen ergänzungsausweis verzichten. was ich meine: man kann es auch genau andersherum sehen wie du, regina.
im übrigen find ich es ganz schön gerade, dass ihr reagiert, weil ich damit das, was ich da gerade tue, ein wenig mit euch verankern kann. macht schon sinn für mich, das hier mal in dem forum zu posten
"Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, das immer dann die Ruhe verliert, wenn von ihm verlangt wird, dass es nach Vernunftgesetzen handeln soll." - Oscar Wilde “Ohne eine Abweichung von der Norm ist kein Fortschritt möglich.â€- Frank Zappa "Samstag ist Waschtag." - Sheldon L. Cooper "I had a flashback of something that never existed" - Sara Digitala "Fuck Size Zero" - Carolin Kebekus